20 Jahre KZ-Gedenkstein Gundelsdorf

Ein Stein zur Erinnerung

Evangelische Jugend errichtet Gedenkstein aus dem KZ Flossenbürg /Andacht zum 20-jährigen Bestehen

 

Seit 20 Jahren ruht der KZ-Gedenkstein bei Gundelsdorf – aus diesem Anlass hatte die Evangelische Jugend einige Weggefährten und Befürworter eingeladen, die sie vor über 20 Jahren bei ihrer Spurensuche unterstützt hatten. Dekanatsjugendreferent Erich Gahnz erinnerte an die Initiative zur Errichtung des Gedenksteins, der am 8. Mai 2002 aufgestellt wurde und zuvor vom Kronacher Bildhauer Heinrich Schreiber aus einem Granitstein aus Flossenbürg geschlagen worden war und von ihm künstlerisch gestaltet wurde.

Anfang der 1990er-Jahre hatte sich die Evangelische Jugend von Oberfranken auf die Spurensuche nach der NS-Vergangenheit begeben. Ein Kreuzweg führte sie an das Außenlager Gundelsdorf, eine von über 100 Außenstellen des KZ-Flossenbürg. Vom 12. September 1944 bis 13. April 1945 waren hier 125 jüdische Häftlinge zur Zwangsarbeit in Baracken untergebracht.

108 Frauen und 17 Männer waren in Gundelsdorf und teils in Knellendorf unter menschenunwürdigen Bedingungen zur Arbeit gezwungen worden. Auf dem Hintergrund dieser Geschichte entstand die Initiative zu einem Mahnmal. Schließlich wurde als Standort der jetzige Platz an der B 85 ausgewählt – das Grundstück war der Intervention von Bürgermeister Manfred Raum zu verdanken.

Mit der Gestaltung des Mahnmals verband Bildhauer Heinrich Schreiber folgende Idee: Unter einem großen Stein befinden sich eine Masse bedrückter Geschöpfe Gottes. Trotz aller Hoffnungslosigkeit und Erniedrigung sind sie noch als einzelne Menschen zu erkennen, mit persönlichen Eigenschaften – dem System der Unterdrückung gelingt nicht der totale Sieg, die völlige Auslöschung.

Betrachter sind versucht, den Felsquader anzuheben, die Last von den Menschen zu nehmen. Der Stein ruft dazu auf, sich hinter die Menschen zu stellen und – auch im übertragenen Sinn – die Felsen wegzunehmen, mit denen sie am Mensch-sein gehindert werden.

Dekanin Dr. Ulrike Schorn würdigte das Engagement der Evangelischen Jugend und das Aufstellen des Gedenksteins als „in höchstem Maße bemerkenswert“.

Reinhold König, damaliger Dekanatsjugendpfarrer, fasste es in die Worte: „Die Menschheit wird immer intelligenter, klüger, erforscht immer mehr und weiß auch immer mehr. Der Mensch ist in seinem innersten Wesen edel, hilfreich und gut. Er ist von einer Mensch-lichkeit erfüllt, die ihn vor der letzten Grausamkeit zurückschrecken lässt. Doch die Gegenwart, der Krieg in der Ukraine, lehrt uns etwas anderes. Der Mensch ist zu allem fähig!“

Text und Bild: Karl-Heinz Hofmann