Ein Zeichen für den Frieden

Burkersdorf- Das kleine Frankenwalddorf setzt mit der Evangelisch- Lutherischen Kirchengemeinde Burkersdorf/Hain in der altehrwürdigen Marienkirche ein Zeichen des Friedens. Pfarrer Reinhold König und Dekanin Dr. Ulrike Schorn fordern in der emotional beeindruckenden und unter die Haut gehenden Gedenkfeier in mahnenden Worten einen unverzüglichen Stopp des grausamen Krieges. Die anwesenden Christen spendeten neben ihrer Teilnahme und ihren Gebeten, insgesamt 594 Euro an die notleidenden Menschen in der Ukraine und setzten ein weiteres Signal der Solidarität. Die Andacht zum Friedensgebet begann mit Glockenläuten und Orgelklängen. Es war mucksmäuschenstill und es herrschte Anspannung und Andacht als Pfarrer Reinhold König die Beterinnen und Beter sowie Dekanin Schorn willkommen hieß. Emotional von Wehmut aber auch Wut ergriffen, begann der Geistliche seine Einführung mit Fakten und heftiger Kritik. „Putin und seine treuen Leute fühlen sich bedroht: Der Westen (Nato) könnte sie vernichten. Laut Kreml führen Russen einen militärischen Sondereinsatz in der Ukraine. Für sie ist das keine Invasion, kein Überfall, kein Kriegseinsatz. Doch aktuell ist der Krieg nun in eine grausame und brutale Phase eingetreten. Es werden nun nicht mehr nur militärische Einrichtungen beschossen, sondern die Zivilbevölkerung soll zermürbt und entmutigt (demotiviert, demoralisiert) werden, in dem ihre Häuser und Städte in Schutt und Asche liegen und die Infrastruktur zerstört wird.

Männer stellen sich wehrlos vor russische Panzer und Fahrzeuge und rufen den Soldaten zu: Geht heim! Ich lebe und ich bleibe hier in Kiew! sagte eine Journalistin. Das zeigt den Stolz und den Mut der Ukrainer“, so Pfarrer König mit bewegter Stimme, aus der auch Empörung herausklang. Die Frage ist: Wie lange noch können die Ukrainer, wie damals David mit einer Hirtenschleuder und Gott an der Seite, Widerstand leisten gegen Goliath (Russland), das übermächtig und gut ausgerüstet ist. Putin und seine engsten Vertrauten führen einen Krieg gegen die freiheitsliebenden Menschen in der Ukraine, sie führen einen Krieg gegen die Demokratie, gegen die ganze Welt, aber auch gegen das eigene Volk. Dieser Krieg weckt aber auch bei uns Erinnerungen an Erzählungen unserer Mütter und Väter, Opas und Omas aus, die von ihren Traumata aus dem zweiten Weltkrieg erzählten. Und das löst auch bei uns Angst aus: Verlustängste: Verlust der Existenz, Verlust der Gesundheit, Verlust des Ehepartners, Verlust der Kinder, sinniert der Geistliche. Dieses Friedensgebet soll uns helfen, dies alles zu verarbeiten. Wir legen dabei alles, was uns belastet Gott in die Hände. Es folgte die Lesung aus der Bergpredigt mit den neun Seligpreisungen, mit Hingabe vorgetragen von Dekanin Schorn. Als Leiter des Friedensgebetes ging Pfarrer König dann näher auf geografische und politisch Daten der Ukraine ein. Nach Fall der Mauer in Berlin und Wiedervereinigung Deutschlands, nach dem Ende der Sowjetunion, wurde die Ukraine 1991 ein unabhängiger, selbständiger Staat. Doch das Land ist bis heute gespalten: Der Westteil ist eher auf die Europäische Union ausgerichtet, der Osten tendiert traditionell zu Russland. Die Ukraine ist das zweitgrößte Land Europas und über ein Drittel größer als Deutschland. Dies wurde auf einer farbigen Landkarte verdeutlicht, die vor dem Altarraum unter der Kanzel angebracht war. Unter den 41,6 Millionen Einwohnern gibt es 400 000 evangelische Christen. Die Deutsche Evangelisch- Lutherische Kirche in der Ukraine ist eine Partnerkirche unserer bayerischen Landeskirche. Die ukrainisch- orthodoxe Kirche stellt rund 60 Prozent der Bevölkerung. Römisch- katholische Christen gibt es circa eine Million und circa 4,3 Millionen Ukrainer gehören der Ukrainisch- Griechisch- Katholischen Konfession an. Zum Schluss des Friedensgebetes brachte der Liturg Stimmen aus der Ukraine. Auch in der Russischen Orthodoxen Kirche gibt es Stimmen, die eine deutliche Sprache sprechen: "Das Blut der Einwohner der Ukraine wird nicht nur an den Händen der Machthaber der Russischen Föderation und der Soldaten, die diesen Befehl ausführen, kleben bleiben. Ihr Blut klebt an den Händen von uns allen, die diesen Krieg gebilligt oder einfach geschwiegen haben", so ein Zitat von Priester Georgij Edelschtejn, bekannt für seinen Einsatz für die Rechte und Freiheiten der Gläubigen in den 1970er Jahren. Pfarrer König verlas aber auch Stimmen katholischer Bischöfe aus Russland. Die fünf katholischen Bischöfe in Russland haben zu einem Stopp des Krieges mit der Ukraine aufgerufen. „Wir rufen alle Politiker, von denen diese Entscheidung abhängt, dazu auf, diesen Konflikt zu beenden“, erklärten sie am 24. Februar. Die Bischöfe seien „zutiefst schockiert“, dass sich der politische Konflikt zwischen Russland und der Ukraine trotz großer Versöhnungsbemühungen in eine bewaffnete Konfrontation verwandelt hat.“ Dann folgten nochmals Herz ergreifende Schlussworte von Pfarrer König. „Ich zünde jetzt eine Kerze an und spreche ein Friedensgebet.

Ich bin der festen Meinung, ja ich glaube ganz fest daran, je mehr Kerzen brennen und je mehr Menschen um den Frieden beten, desto eher wird dort das sinnlose Blutvergießen beendet.

Denn gegen Kerzen und Gebete waren 1989 schon die Soldaten der Volksarmee der damaligen DDR machtlos“.

 

Text und Bild: K.-H. Hofmann